Interview Juliane-Kaeppler

?¿ Das books2read-Interview - Heute: Juliane Käppler ?¿

 

Heute präsentieren wir Euch ein Interview mit Juliane Käppler - der Autorin von "Willkommen in Hawks":

Liebe Frau Käppler,

 

wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

 

Eigentlich kam nicht ich zum Schreiben, sondern das Schreiben zu mir. Im Alter von sieben lernte ich, Buchstaben zu Worten aneinanderzureihen und seitdem schreibe ich. Zuerst Gedichte, dann Erzählungen. Meinen ersten Roman brachte ich im Alter von 13 zu Papier – voller Überzeugung ihn bloß an einen Verlag senden zu müssen. Da ein großer Verlag ihn nicht wollte, sendete ich ihn an alle großen Verlage … und verstand so ein bisschen, wie das im Verlagswesen läuft. Spätestens, als ich das Prozedere beim zweiten Roman mit 15 wieder durchlief. Nach dunkeldüsteren Kurzgeschichten, die wie die Romane in irgendeiner Schublade verstauben, schrieb ich irgendwann endlich ein Buch, das veröffentlicht wurde.

 

Warum sind Sie beim Schreiben geblieben?

 

Die Frage stellt sich mir eigentlich nicht. Da ich ja nicht „zum Schreiben fand“ liegt es auch nicht in meiner Entscheidung „dabei zu bleiben“. Es ist ein Teil von mir. Früher hatte ich noch sowas wie „Hauptjobs“ und war nebenher Autorin. Als ein Job zeitlich und psychisch zu stressig wurde, als dass ich nebenbei hätte Schreiben können, entschied ich mich, nur noch zu schreiben. Die Ideen kommen ja von allein. Sie zu unterdrücken, würde mich wahrscheinlich verrückt oder krank machen.
Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Romane? Was inspiriert Sie?
Die Ideen kommen in Gestalt meiner Protagonisten. Die finden sich in meinem Kopf ein und sagen mir ein bisschen was von sich. Manche verschwinden auch wieder, weil ich nicht der richtige Kopf für ihre Story bin, doch diejenigen, die bleiben, reden mit mir, bis ich zu schreiben beginne.

 

Welche ist Ihre liebste Romanfigur und warum?

 

Ich habe keine Lieblingsromanfigur. Natürlich sind mir die jeweiligen Protagonisten immer lieber (weil näher) als die Nebencharaktere, allerdings gibt es unter ihnen keinen, dem ich den Vorzug geben. Wie könnte ich z.B. Katharina lieber mögen als Charlotte? Unmöglich, denn beide haben sich mir gleichermaßen anvertraut und ihre Story erzählt.

 

Haben Sie eine Lieblingsszene?

 

In „Willkommen in Hawks“ mag ich z.B. die Passage, in der Charlotte zum ersten Mal in Camerons Auto steigt und auch beide Szenen am See. In „Summers Lost“ hatte ich eine Menge Schreibspaß, als sich Katharina und Alex nach ihrer katastrophalen ersten Begegnung im Wochenendhaus und in der Silvesternacht wieder über den Weg gelaufen sind.

 

Man sagt, dass Figuren eines Romans oft autobiografische Züge tragen, wie sieht es bei den Figuren Ihres Romans aus?

 

Ich war sowohl in „Hawks“ als auch auf Teneriffa. An beiden Orten habe ich Dinge erlebt, die ich im Roman verarbeitet habe. Allerdings bin ich weder Charlotte noch Katharina und der Großteil der Handlung ist (zum Glück) frei erfunden.

 

Für wen schreiben Sie? Wie stellen Sie sich Ihre Leser und Leserinnen vor – bzw. wie empfinden Sie den Umgang mit Ihren Lesern?

 

Das mag egoistisch klingen, aber ich schreibe in erster Linie für mich selbst. Das habe ich schon immer getan und daran ändert sich auch nichts. Ich schreibe, weil ich unheimlich Spaß am Schreiben habe. Es macht mich glücklich. Es ist das, was ich tun sollte – sagt mir mein Ich. 

Auf der anderen Seite habe ich durch meine Bücher schon sehr viele tolle Menschen kennen lernen dürfen – meine Leserinnen und (vereinzelt auch) Leser. Diese zumeist virtuellen, vereinzelt auch realen Begegnungen möchte ich gar nicht mehr missen, und es berührt mich jedes Mal aufs Neue, dass ich sie mit meinen Geschichten erreiche. 

Eine Vorstellung von meinen Lesern? Ich habe nicht wirklich eine. Jeder darf, keiner muss. Wer meine Bücher liest, sollte sich allerdings ein wenig lösen vom (ich sag jetzt mal) Mainstream. Ich schreibe nicht oder selten in der Ich-Erzählperspektive. Ich schreibe kein Dialog-Buch. Ich schreibe nicht auf jeder Seite „Ich liebe dich“, um auszudrücken, das die Protas sich gern haben. Wer das nicht mag, der sollte meine Bücher lieber nicht lesen.

 

Welches Buch hat Sie zuletzt tief berührt und warum?

 

Zuletzt wirklich berührt hat mich das Buch „Die Brandungswelle“ von Claudie Galley. Dieser Roman ist eigenartig, einzigartig dadurch, und seine Sprache ist sehr knapp, fast hart – aber doch nicht. Man kann das Französisch geradezu spüren. Das Beeindruckende an diesem Buch ist die Haupthandlung, der die Nebenhandlung den Rang abläuft – ohne dass man das bedauert oder sich mit der Haupthandlung langweilt. Eine berührende Geschichte wurde mir erzählt, die mich sehr nachdenklich gemacht hat.

 

Glauben Sie, dass man durch Literatur die Welt verändern kann?

 

Ein „Nein“ war mein erster Gedanke auf diese Frage, aber das wäre wohl vorschnell geantwortet. Ich räume ein, dass Veränderungen möglich sind … nicht unbedingt finde ich diese Veränderungen positiv ;) 

 

Wenn Sie Ihren Roman in eine andere Kunstform übertragen könnten, welche wäre es?

 

Da bliebe eigentlich nur der Film. Musik spielt in meinen Romanen zwar immer eine große Rolle, aber ich kann Musicals nicht ausstehen. Die Oper mag ich mehr, aber die passt so gar nicht. Und die Momentaufnahme eines Bildes wäre schlichtweg zu wenig.

 

Können Sie einen typischen Arbeitstag beschreiben?

 

7:50 Sohnie nach dem Frühstück in die Schule verabschieden, schreiben, Mails beantworten, facebooken, Lovelybooken, schreiben, schreiben, schreiben … ggf. mit einer Unterbrechung zum Mittag, anderenfalls bis zum Abend oder bis mir für den Tag die Ideen ausgehen – voll langweilig eigentlich.

 

Worauf dürfen wir uns freuen – arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt?

 

Zurzeit verleihe ich dem Nachfolger von „Willkommen in Hawks“, der den Titel „Summers Lost“ haben wird, gerade den nötigen Feinschliff. Darüber hinaus wird es im späten nächsten Jahr ein Paperback aus der Perspektive eines ganz besonderen männlichen Protagonisten von mir geben.

 

Vielen Dank Frau Käppler.

 

Hier geht es zum Roman "Willkommen Hawks"

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